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Armchair Philosophy
von Jo Gnadenlös
Gedanken und Thesen von Jo Gnadenlös. Diese sind ausschließlich durch Nachdenken und zufällige Beobachtung entstanden, entbehren jeglicher wissenschaftlichen Untersuchung oder Nachprüfung und können dementsprechend auch völliger Unsinn sein, müssen es aber nicht.
Inhalt:
Über das Ornament
Über die Zulässigkeit des Verfluchens
Über den freien Willen
Politisches Handeln unter der Bedingung des Determinismus
Über den Sinn von Armchair Philosophy
Über die philosophische Glosse
Über das Ornament
Das Ornament ist vermutlich ein angeborenes Bedürfnis des Menschen, denn es bedeutet die Zähmung der Natur, der Wildnis, die sich in statistisch verteilten oder durch unbekannte und oft nicht beeinflussbare Ursachen bedingten Ereignissen äußert. Wenn die Natur (florale Elemente, Lebewesen, geometrische Formen) in eine durch klar erkennbare und vor allem vom Menschen aufgestellte Regeln geordnete Reihe, besonders in Wiederholungen, hineingezwungen werden kann, bedeutet das ihre Beherrschung (zumindest in der Wunschvorstellung).
Das Ornament bedeutet den Wunsch nach Beherrschung der Natur. Der unornamentierte Quader bedeutet ihre Auslöschung. Das biologische Bedürfnis des Menschen (wie aller Lebewesen) ist nicht Auslöschung der Natur, sondern ihre Beherrschung, deshalb wird das Ornament immer seinen berechtigten Platz in der Kunst und in der Volkskunst finden.
Mit der Zunahme der mechanisierten Umgebung des Menschen und der unbekannten Maschinen um ihn herum und dem gleichzeitigen Verschwinden der Natur wird allerdings die ausnahmslose Regel, der maschinelle, rücksichtslose Ablauf der Menschenwelt zur noch größeren Bedrohung. Dem entspricht ein Bedürfnis nach Naturdarstellung und vor allem neuerlich nach dem Ornament, nun aber mit dem Aufbrechen der starren Regeln und der Anmut und "Natürlichkeit" der unregelmäßigen Handarbeit. Während früher das Ornament um so schöner war, je perfekter es war, ist es nun um so schöner, je unregelmäßiger und unikathaltiger es ist. Erste Anfänge zeigen sich bereits im Rokoko, in dem bereits Mechanisierung in der Alltagswelt aber auch die Abgusstechniken und die Billig- und Täuschbauweise des Barock zur Geschichte gehören.
Auch als Fitnessindikator und als Fertigkeit im Konkurrenzkampf auf sozialer und materieller Ebene ist das Anfertigen von Ornamenten auf diese Weise verständlich. Während es in den Anfängen der Menschheit mit primitiven Werkzeugen eine große Kunst war, möglichst gleichmäßig zu arbeiten, ist es nun mit den zahlreichen billig verfügbaren maschinellen Reproduktionsmethoden die wesentlich höhere Kunst, unregelmäßige Ornamente in Handarbeit herzustellen.
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Über die Zulässigkeit des Verfluchens
Gesetzt, ein Politiker macht Sachen (ordnet sie an), die von anderen Menschen nicht gut geheißen werden. Kann man so jemanden öffentlich verfluchen? Z.B. "Gott sende Dir die Pest ans Bein, dass Du nur noch blind und tatenlos in einem kommunalen Krankenhaus liegen kannst bis an Dein Lebensende und Hausfrauensender hören musst!".
Erste Frage: kann man das, d.h. hat es Wirkung? Es gibt Leute, die glauben, es kann in jedem Fall wirken, egal ob der Adressat davon erfährt oder nicht (an eine höhere Macht Glaubende). Es gibt andrerseits sicher sehr viele, die glauben, es wirkt, sobald der Adressat davon erfährt (an die Psychologie des Menschen Glaubende und gleichzeitig damit Rechnende, dass der Adressat seinerseits an höhere Mächte oder zumindest an geistige Kräfte glaubt. Die Chancen, dass es wirkt, sind im zweiten Fall wahrscheinlich relativ groß).
Zweite Frage: darf man es? Solange niemand etwas davon erfährt, ganz sicher, allein schon wegen der nicht möglichen Kontrolle. Aber sobald dies der Betroffene mit oder ohne Öffentlichkeit erfährt? In einer Gesellschaft, in der der Glaube an den eigenen Freien Willen vorherrscht, dürfte es nicht strafbar sein, da der Betroffene sich durch reine Willenskraft der Wirksamkeit widersetzen kann. Sollte in der Gesellschaft neben dem Glauben an den freien Willen auch noch der Glaube an die Wirksamkeit geistiger Kräfte anerkannt sein, könnte ein solcher Fluch jedoch strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Allerdings müssten wegen der Parität auch im umgekehrte Fälle bewertet werden: so könnten viele gute Wünsche als Zuwendung gewertet werden, die ggf. sogar steuerrechtliche Konsequenzen nach sich zieht (z.B. Schenkungssteuer bei sehr großem wirtschaftlichem Erfolg aufgrund von guten Wünschen?).
Der Glaube an geistige Kräfte im Rechtsystem dürfte aber von Juristen nicht gern gesehen werden. Das Problem von der Wirkung geistiger Kräfte auf Materie ist ja bereits im Descartes'schen Dualismus das große unlösbare Handicap. Nicht nur philosophisch , auch juristisch wird es schwierig sein, geistige Kräfte in Geldstrafen oder Gefängnisstrafen umzurechnen.
Pragmatisch gesehen ist das Verfluchen unter der Annahme eines existierenden Gottes im einfachsten Fall die Anstiftung eines Dritten zu einer Straftat. Dies würde jedoch bedeuten, dass Gott der örtlichen Rechtsprechung unterliegt, weil anderenfalls das Beschädigen eines Menschen sonst nicht eine Straftat sein könnte, da dies ja ohne Aufforderung durch Verfluchen gewohnheitsmäßig eine normale und persönlichkeitstypische Handlung von Gott ist. Soll einem Verfluchenden somit strafrechtliche Konsequenz drohen, muss die Gerichtsbarkeit oder die Legislative auch für die Behandlung von Gott als einem Nicht-Staatsbürger mit zeitweiligem oder dauerhaftem Aufenthalt im Staatsgebiet die nötigen Regelungen vorsehen. Dies ist unabdingbar, da z.B. die Anordnung an Soldaten von Tötung im Kriegsfall durch den Staat ebenfalls keine Anstiftung zu einer Straftat darstellt, da die Situation eine andere als im normalen Zivil- oder Strafrecht ist und sich der Glaubende und Verfluchende ebenfalls darauf berufen könnte, in einer anderen, dem weltlichen Leben übergeordneten Situation, zu handeln.
Die Unterstellung von Gott unter die zivile Gerichtsbarkeit kann jedoch zu Konflikten mit den Kirchen bzw. Gläubigen führen, da die öffentliche Einstufung von Gott in ein dem Staat untergeordnetes Wesen eine Gotteslästerung oder Verunglimpfung des Glaubens darstellen kann, da damit ja die Allmacht Gottes (u.a. auch die Macht, Gesetze aufzuheben) in Abrede gestellt wird. Außerdem wird sich die Einstufung der Kirchen als kriminelle Vereinigung schwer durchsetzen lassen.
Ein Ausweg bietet die Möglichkeit, ein Strafmaß nach dem angerichteten Schaden zu bemessen. Kann sich allerdings der Verfluchende darauf berufen, dass er nur Werkzeug Gottes ist, kann er maximal wegen Beihilfe zur Anstiftung belangt werden. Eher wird es jedoch der Fall sein, dass seine Handlung als eine Art Unfall ohne Schuld einzustufen ist, da Gott normalerweise keine juristische Person darstellt, sondern eher als eine Art Naturereignis zu werten ist, die den Glaubenden trifft wie ein Gewitter oder ein Erbeben. in diesem Fall ist er möglicherweise noch nicht einmal haftbar im Sinne eines Verursachers.
Ist allerdings der Verfluchende ungläubig und verflucht allein auf Grund seiner Kenntnis der psychologischen Wirksamkeit, ist seine Handlung einzustufen wie andere Angriffe des Psychoterrors (Stalking, nächtliche Anrufe, Drohbriefe) unter Ausnutzung der Dummheit oder Abhängigkeit der Opfer. Der Beweis, dass der Verfluchende zur Tatzeit ungläubig war, ist jedoch prinzipiell nie zu erbringen, wie auch dahingehende Eide niemals als Meineide nachweisbar. Selbst langjährig bezeugter Unglauben muss nicht bedeuten, dass im Augenblick der Tat nicht ein massiver Anfall vollständigen Glaubens vorlag. Beispiele aus der Geschichte sind allgemein bekannt, besonders die Saulus - Paulus - Wandlung.
Insgesamt ist also davon auszugehen, dass das Verfluchen von anderen Personen, besonders unter zu Hilfenahme von Gott, keine Handlung darstellt, die bestraft werden kann. Man kann es also ohne weiteres z.B. auf amerikanische Präsidenten anwenden, die ja ebendiesen Gott ebenfalls für sich in Anspruch nehmen.
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Über den freien Willen
Der normale Mensch wächst mit dem zunehmenden Gefühl auf, etwas zu wollen, was er je nach Umgebung und Fähigkeiten auch durchsetzen kann. Er geht spazieren, isst ein Eis, heiratet, bekommt Kinder, weil er es will. Er hat zusätzlich noch das Gefühl. dass er in den meisten Fällen, diesen Willen auch noch frei entwickelt.
Eine kurze logische Sequenz zeigt, wie weit es mit dem freien Willen her ist: Ist es etwas, was außerhalb der Materie existiert (eine Seele oder ein Ich), dann muss erstens geklärt werden, wie diese geistige Instanz ihre Entscheidung zu einer Wirkung entfaltet, da aus der Beobachtung der Materie irgendwelche materiellen Ereignisse auch nur durch materielle Ursachen in Gang gesetzt werden können, auch wenn es z.B. nur so etwas einfaches wie das Heben der Hand ist, was ein ganz und gar körperlicher Vorgang ist.
Die einzige Komponente, die einen materiellen Vorgang lenken könnte, ohne eine Ursache im eigentlichen Sinn zu sein (die zurückverfolgbar ist), ist der Zufall. Der Zufall als Wirkungsursache für meine Entscheidung z.B. wen ich heirate, ist ebenfalls nicht gerade das, was man sich unter einem freien Willen vorstellt. (Ob es Zufall im physikalischen Sinne überhaupt gibt, oder ob er nur ein Wahrnehmungsphänomen wegen mangelnder Beobachtungsfeinheit ist, ist dabei unwesentlich)
Selbst wenn es eine geistige Instanz in "mir" gibt, ist dies kein Nachweis für die Freiheit der Entscheidung durch diese Instanz: irgendwie muss diese Instanz entstanden sein: angeboren: dann waren meine Eltern die Verursacher, durch Gott gegeben: dann hat er diese Instanz in dieser Weise ausgestattet, wie ich sie benutzen kann. Selbst wenn die Freiheit im ursprünglichen Sinn (durch nichts beeinflusst) da wäre, wäre dies sinnlos, da das Wollen ohne jede rationale Hinterfütterung bedeuten würde, eben freier aber "sinnlose" Wille.
Nun sagt der normale Mensch :"Ja, meine Entscheidungen werden selbstverständlich auch von außen beeinflusst: ich kann lange ein Eis kaufen wollen: wenn gerade Winter ist und nirgends eine Eisdiele, ist es sinnlos, sich dafür zu entscheiden. Aber mein Wille, mein Wunsch ist durch nichts beeinflusst, außer durch mich!"
Die mangelnde Erklärungsfähigkeit eines "Ichs" im o.g. Sinne haben wir gesehen, es bleibt noch eine Art aus dem Materiellen "entstandenes" Ich als Vorstellung. Wie kann aber dieses Ich entstanden sein? Es kann nur das Produkt meiner genetischen Anlagen zusammen mit meinen lebenslangen Erfahrungen sein, und diese sind wiederum nicht frei von "mir" gewählt. Sollen meine Erfahrungen und Fähigkeiten vernünftig in die Ausbildung einer (je nach Weltbild gewünschten) funktionsfähigen, glücklichen, zufriedenen oder nützlichen Persönlichkeit eingeflossen sein, müssen sie diese Entwicklung Schritt für Schritt durch "gute Gründe" betrieben haben. Die Anerkennung von guten Gründen ist jedoch ebenfalls wieder keine freie Entscheidung, weil ja dazu der bis dahin bereits vorhandene intellektuelle Apparat und die aktuelle emotionale Lage verwendet werden.
Wie man es dreht und wendet, es bleibt vom freien Willen nichts übrig.
In Extremsituationen ist dies gesellschaftlich auch anerkannt: "Ich hatte plötzlich so Hunger bekommen, dass ich einfach rausgehen musste und mir etwas zu essen holen". "Durch den Schock bei diesem Anblick konnte ich nicht anders als dem Täter über den Kopf zu hauen". Auch bei offensichtlich geistig Behinderten wird akzeptiert, dass sie nicht schuldfähig sind.
Dies ist ein Schlüsselbegriff, der sich aus der o.g. Situation ergibt: Die Voraussetzung des freien Willen ist zwingend nötig, um eine Schuldfähigkeit für eine Handlung zuzuweisen. Dies ist ein Grund dafür, dass die Diskussion um den freien Willen in der Gesellschaft nur ungern gesehen wird. Das Strafrecht müsste nämlich vollständig revidiert werden. Dies wäre prinzipiell kein Problem: ein Mörder müsste nicht bestraft werden, sondern nach besten Kräften daran gehindert werden, dies nicht wieder zu tun. Ein Sexualverbrecher könnte ohne Schuldkonzept nicht durch möglichst unangenehme Haftbedingungen so bestraft werden, dass es sich künftig frei gegen Verbrechen entscheiden kann (was er oft gar nicht leisten kann), dafür wäre es aber kein rechtliches Problem, einen solchen Menschen unter menschenwürdigen Bedingungen lebenslänglich unter Bewachung zu stellen. Ebenso würden dadurch automatisch mehr Energien in die Prävention gelenkt. Auch die Überwachung des Verhaltens durch die Gesellschaft könnte ohne Einbuße in der Lebensqualität etwas verstärkt werden, da bei Fehlverhalten ja nicht mit "Sanktionen" zu rechnen wäre, sondern mit einer wenn auch von außen angeordneten Hilfestellung zu Bewältigung des anstehenden Problems.
Neben diesen juristischen Konsequenzen stellt sich natürlich die Frage, wie ich als Mensch mit dieser Erkenntnis mein Leben bewältigen kann: Wie kann ich denn entscheiden, wenn alles schon vorgegeben ist und somit die Welt eigentlich determiniert? Glücklicherweise haben aber die Menschen (und vermutlich auch alle Tiere je nach Entwicklungsstand mehr oder weniger ausgeprägt) einen "ich"- und "freien Willen"-Generator. Man kann also gar nicht anders, als sich als frei handelndes Wesen empfinden, weil die Wahrnehmung des Handeln von eben demselben Ich bewusst (was immer das sein mag) gemacht wird. Auch die Tatsache, dass die wenn auch determinierte Ausbildung dieses Ichs oder "Selbsts" so komplex ist, dass ich nicht nur die Ereignisse in meiner Umgebung nicht vorhersehen kann, sondern auch meine eigenen Handlungen nur äußerst begrenzt vorhersehen kann, bringt ein Element der Überraschung ins Leben, das zur Befriedigung des Bedürfnisses nach Originalität, Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit völlig genügt.
Dieser "Selbst"-Generator ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein in der Evolution als tauglich entwickeltes Instrument, mit dem sich die überlebenstüchtigeren Gene schneller gegen den Rest durchsetzen konnten. Er entspricht ja einer Art Blackbox der Handlungsketten, quasi eine Art schnell zu bedienende Benutzeroberfläche eines komplexen Organismus. Die Tatsache, dass wir über diese Dinge nachdenken können, zeigt allein (neben anderen philosophischen Überlegungen), dass wir Menschen aber nicht notwendigerweise alles gut heißen müssen, weil es "natürlich" ist: wenn unsere Entscheidungen nicht frei, sondern eben wenn möglich gut begründet sind, ist eine Loslösung von der "Natur", von neodarwinistischen Tendenzen ebenso "natürlich", zumindest aber sinnvoll, wenn man weitere ethische Überlegungen anstellt (Nicht vom Sein auf das Sollen schließen).
Eben wegen dieses "Selbst"-Generators fühlt man sich auch unglücklich oder betrogen, wenn man die Erfindung des freien Willens enttarnt hat (wie natürlich auch unter einer Strafe, die einen trifft, ohne dass man hätte anders handeln können). Was da aber leidet ist ja genau dasselbe Ich oder "Selbst", das sich die Evolution im Laufe der Entwicklung gebastelt hat. Idealerweise also sollte parallel mit der Erkenntnis des unfreien Willens auch die Erkenntnis des künstlich gebauten Selbst reifen. Das gelingt natürlich nur in den seltensten Fällen, kann man wohl auch ein Ziel des Buddhismus begreifen, nämlich die oben beschriebenen logischen Erkenntnisse mit der emotionalen Einsicht, der "Verkörperung" der Erkenntnis, zusammen zu bringen, dass die Menschen keine "Selbste" sind, sondern - im ganz banalen materiellen Sinn - eins mit der Welt sind.
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Politisches Handeln unter der Bedingung des Determinismus
Wenn - wie in "Über den freien Willen" dargelegt, die Entscheidungen der Menschen mitnichten frei sind, sondern sich demzufolge die Welt in einem deterministischen Ablauf darstellt: Warum sollte ich verantwortlich (gesellschaftlich, politisch usw.) handeln?
Für die Erfüllung meiner Bedürfnisse habe ich einen unmittelbaren Antrieb, denn das Bedürfnis nach Wohlbefinden, Schmerz usw. spüre ich unabhängig davon, ob ich als Maschine so konstruiert bin, oder so "entstanden", oder mit dieser Gabe durch eine "Seele" versehen bin. Warum sollte ich aber für einen guten Zweck, für die Gemeinschaft, die Umwelt oder welchen Zweck auch immer agieren, wenn schon vorher festgelegt ist, ob es zum Erfolg führt oder nicht?
Das Problem ist nur rekursiv zu lösen, ähnlich wie der Beweis göttlicher Gnade im Calvinismus: Dass die Lösung der von mir erkannten Probleme richtig ist, erkenne ich wiederum unabhängig davon, ob ich als Maschine so konstruiert bin, oder so "entstanden", oder mit der Gabe der Geisteskraft durch eine "Seele" odern den "Verstand" versehen bin. Da aber die Zukunft wenn nicht schon allein aus informationstheoretischen Gründen, dann zumindest aufgrund hoher Komplexität nicht vorhersagbar ist, ist es möglich, dass ich zu den Menschen gehöre, deren Handlung tatsächlich eine Verbesserung in die Welt bringt. Nachweisen kann ich es nur, indem ich es ausprobiere, mein bestes versuche!
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Über den Sinn von Armchair Philosophy
Geisteswissenschaften kranken oft daran, dass sie die nötige Verbindung zu empirischen, nachvollziehbaren Erkenntnissen über die Welt (was immer das ist) oft völlig verlieren. D.h. dass geisteswissenschaftliche Erkenntnisse oft durch gewissermaßen Zellzeilung generierte scheinbare Neuheiten bieten, die keine sind oder eher die Erfindung neuer Welten durch Erfindung neuer Begriffe darstellen.
Kann s.g. Armchair Philosophy (Lehnstuhl-Philosophie ohne empirische Stützung der Ergebnisse), die genau dies tut, trotzdem sinnvoll sein?
Der Mensch hat, wie man durch einfache Naturbeobachtung wie auch durch wissenschaftliche Untersuchungen in der Soziologie oder Geschichte feststellen kann, nicht EIN Bild von der Welt, sondern sehr viele Bilder für verschiedene Anwendungszwecke, die durchaus nicht kompatibel sind, sondern eine vielfältige natürliche Mehrfachschizophrenie widerspiegeln (so würde vielleicht ein Mensch einerseits ganz gegen die Diskriminierung von Bayern bei der Einstellung in den Staatsdienst von Hessen protestieren, jedoch niemals seine Mietwohnung an einen Türken vermieten, einerseits gegen die Erwärmung der Erde protestieren und selbst gleichzeitig niemals auf die Aufheizung des heimischen Swimmingpools verzichten, gleichzeitig seinen Freunden über seine Mattigkeit vorklagen, die ihm derzeit nicht erlaubt, dringend nötige Reparaturen oder soziale Kontakte zu bearbeiten, und dennoch gleichzeitig gegen eine Unterstützung von arbeitsscheuen Elementen wettern, die "ihren Hintern nicht vom Sofa hochkriegen" usw.).
Theoretische Überlegungen vom Lehnstuhl aus können aber aufgrund der bereits bekannten Beobachtungen, mit Hilfe von Literaturauswertung, Auswertung von Studien usw. die weitgehende noch nicht geleistete Überführung von Begriffen aus den verschiedenen Weltbildern leisten, Widersprüche aufdecken und Konsistenzen fordern. Dabei muss "gute" Armchair Philosophy weniger neue Begriffe einführen, als vielmehr Augenmerk auf deren Reduzierung und Identifizierung gleicher Sachverhalte in verschiedenen Gewändern betreiben. Damit ist nicht gesagt, dass man jeden noch so komplizierten Sachverhalt auch einfach darstellen kann (ein großer Irrtum, da sich informationstechnisch die Menge der Informationen, die sich z.B. aus der Menge der Rand- und Anfangsbedingungen eines Sachverhaltes ergeben, nicht ohne Informationsverlust zusammenfassen lassen, und außerdem die Entwicklung eines Sachverhaltes aus einem anderen selbst bei scheinbar einfachen Regeln vom menschlichen Gehirn nicht auf mehrere Schritte im voraus im Kopf gedacht werden kann, sobald diese Regeln nichtlinear/rekursiv sind).
Armchair Philosophy ist also - in Maßen angewendet - durchaus nützlich und sinnvoll.
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Über die philosophische Glosse
Lichtenberg ist durch seine Aphorismen berühmt geworden. Jeder erhabene Mensch wird Aphorismen lieben, da sie ihm den Eindruck vermitteln, plötzlich und in einem einzigen Satz die ganze Welt - oder doch einen großen Teil davon - zu verstehen. Ein Aphorismus ist eine wunderbare Sache: eine abgeschlossene Welt, unberührt von allen anderen Welten, geschweige denn von der wirklichen Welt (was immer das sein mag). (Das ist auch ein Aphorismus).
Philosophische Glossen sind dasselbe auf einer etwas weitläufigeren sprachlichen Basis. Je kürzer, desto ähnlicher.